19. September 2012

"Ich habe eine außerordentliche Begabung dafür Menschen zu verletzen.
Damit meine ich nicht nur, dass ich jemandem aus Versehen mal meinen Ellenbogen gegen die Nase ramme oder jemandem unabsichtlich eine Kopfnuss verpasse. Ja, das kommt sicherlich noch dazu. Aber ich schaffe es auch immer wieder Herzen zu zerbrechen, Seelen zu zerfetzen, Gefühle in dunkle Ecken zu drängen. Ich könnte dir sicherlich sofort an einer Hand fünf Menschen aufzählen, für deren Schatten hinter ihren Blicke ich verantwortlich bin. Absichtlich? Unabsichtlich? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es eine Art Selbstschutzmechanismus. Vielleicht bin ich wie eine Betonmauer, auf die jeder zurennt und sich daran die Knie wund schlägt. Vielleicht bin ich auch einfach nur ein abgrundtiefes Arschloch. Wer weiß das schon.
Eigentlich wäre es nur fair von mir gewesen, dich zu warnen. Denn das Dämlichstes was man tun kann, ist die Gefahr herauszufordern. Denn das Dämlichste was man machen kann, ist sich in mich zu verlieben. Ich sehe jetzt schon die dunkle Schlucht, die in unbestimmter Ferne nur darauf wartet, dass ich dich hineinstoße. So wie ich es immer irgendwann getan habe. Auch wenn ich mich mit aller Kraft dagegen wehren werde und mich dem Rückenwind entgegenstelle um zurück zur Weggabelung zu gelangen, an der ich die Möglichkeit habe, mich für den anderen Weg zu entscheiden. Den Weg, auf dem eine kleine wackelige Brücke über diesen Abgrund führt. Doch ob ich es schaffen werde? Manchmal wünschte ich, es wäre bei tollpatschigem Ellenbogen in die Nase rammen und Kopfnuss geben geblieben."

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